|
|
 |
 |
|
Ich schließe diesen Bericht mit einem längeren Zitat aus dem Türkeiführer von Freely,
mit dem im Anschluß an die Beschreibung der Gregor-Kirche des T. Honentz das Kapitel über Ani abgeschlossen wird (Seie 458 f.). Für mich gibt diese Textstellen genau die Gefühle wieder, die mich auch bei diesem
Besuch wieder betroffen haben.
|
|
|
 |
“Doch alle Schönheit hier in dieser kargen, wilden Landschaft stimmt auf irgendeine Weise traurig, wenn der Blick von den verfallenden Monumenten dieser einstmals überaus
glanzvollen Stadt hinüber auf die andere Seite der Felsschlucht gleitet, wo ein abweisender Streifen Niemandsland die Grenze zur Sowjetunion (heute zu Armenien) markiert. Beim Anblick dieser öden,
unzugänglichen Gegend mag man sich einige Zeilen aus der Threnodie (Klagegesang) des Aristakes von Lastivert ins Gedächtnis rufen, mit denen er vor neunhundert
|
|
|
|
|
 |
Jahren den Niedergang von Ani beklagte: Wo sind die Throne unserer Könige? Sie sind nirgends zu sehen. Wo sind die Legionen, die in
dichter Reihe wie dunkle Wolkentürme vor den Königen Aufstellung nahmen, farbenreich wie die Blumen im Frühling und prächtig in ihrer Kriegerrüstung? Sie sind nirgend zu sehen. Wo ist der
große und wunderbare Patriarchenthron? Heute steht er leer, seines Inhabers beraubt, allen Schmuckwerks entkleidet, von Staub und Spinnweben bedeckt... Die Gebete und Gesänge der Priester
sind verstummt.
|
|
|
 |
Die Kerzen der prächtigen Kandelaber sind verlöscht, die Dochte gestutzt, der Duft des Weihrauchs ist verflogen, der Altar des Herren unter Staub und Asche begraben... Wenn
wir dieses Schicksal erleben mußten, weil wir sündhaft waren, dann erzählt davon dem Himmel und allen, die in ihm fortdauern, erzählt es den Bergen und den Hügeln der dichten Wälder, damit auch sie alle
unser Ende beweinen.”
|
|
|